Mein Blog nimmt ´ne Auszeit

November 25, 2010

Liebe/r Leser_in,

du hast vielleicht schon bemerkt – ich mach´ mich zur Zeit etwas rar hier. Das hat aber viele gute Gründe, der Logischste ist, dass ich mokant geworden bin:

http://mokant.at/1010-jack-kerouac-portraet.html

http://mokant.at/1011-powerup-kunsthalle-wien.html

http://mokant.at/1011-buchmesse-wien.html

 

In einer ruhigen Minute werde ich wieder was schön Queeres von mir geben.

Bis dahin – alles Liebe!

 

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New Family

Oktober 21, 2010

Neil Patrick Harris (berühmt geworden als Barney Stinson in der Erfolgsserie „How I met your Mother“) und sein Lebensgefährte David Burtka wurden Eltern von Zwillingen. Dies teilten Harris und Burtka via Twitter der Welt mit: „Babies!!! Am 12.10. wurden Gideon Scott und Harper Grace Teil der Burtka-Harris Gemeinde. Wir sind alle glücklich, gesund, müde…“

Ich wünsche den frischgebackenen Vätern und ihren Zwillingen alles Gute und eine schöne erste Zeit als Familie!!

P.S. Demnächst brauchen Neil Patrick und David wohl mehr als zwei Hände, wenn Sie mit Kindern und Hunden einkaufen gehen 🙂

Hirter Fasstypen, Klappe die Zweite

Oktober 12, 2010

„Mit ein wenig Augenzwinkern und dem guten Kärntner Schmäh startet die Brauerei Hirt in den Herbst. Wir grüßen alle Biertrinkerinnen und Biertrinker ganz herzlich“ – dieser Text begleitet das neue, weil männliche Werbesujet der Hirter Brauerei, die im Sommer in aller Munde war.

Wir erinnern uns:

https://feministafashionista.wordpress.com/2010/07/28/ein-tool-gegen-sexismus/

Die Brauerei reagiert auf die Sexismus-Vorwürfe in der öffentlichen Debatte nicht reuig, sondern geht einen Schritt weiter. In der nun aktuellen Darstellung von drei Männern mit nacktem Oberkörper wird anscheinend versucht, aus der ernsten Debatte eine Spaßaktion zu machen. Denn wenn es auf Stammtischniveau die Gemüter erheitert, kann es sich doch nicht um Sexismus handeln. Wer die Plakat-Aktion wiederum nicht spaßig findet, versteht wohl keinen Spaß und ist humorlos. Das Ding ist, man muss wirklich nicht über alles lachen.

Produkte durch charmante Werbeträger_innen an den/die Kund_innen zu bringen ist logisch und richtig, aber müssen es halbnackte Männer- und Frauenkörper sein? Ich denke nicht.

Quelle:

http://www.hirterbier.at/hirterbier/hirter-fasstypen/index.php

Ruckediguh, Blut ist im Schuh

Oktober 2, 2010

Das Laufen in High Heels will gelernt sein, keine Frage. Wenn frau schon Geld in edles Schuhwerk steckt, dann möchte sie damit auch gute Figur machen. Deshalb haben wir die Dinger ja schließlich, wir wollen größer, schlanker und vor allem graziler wirken. Oder in Kombination mit einem Abendkleid besonders „weiblich“. So bot ein bekanntes Waxing-Studio in Wien seinen Kundinnen die Möglichkeit, von Tanz- und High-Heels-Trainerin Sarah Toner alle Tricks und Kniffe rund um das richtige Gehen in Stilettos zu erlernen. Die Hochhackigen sollen nicht weiter unbequeme Leidensobjekte sein, sie sollen sexy Accessoires der Trägerin werden!

So weit – so gut. Doch dann lese ich, dass kosmetische Eingriffe am Fuß zunehmen – wehe, ein Zeh „quillt“ unschön aus der Designer-Sandale raus! Zehen werden gekürzt, mittels Schrauben gerade gestellt und Fettabsaugungen vorgenommen. Um es noch einmal zu sagen: es geht um Füße! Die gebrauchen wir jeden Tag, muten ihnen allerhand zu und quälen sie immer wieder. Schuhe sind zu einem Symbol der Lifestylegesellschaft geworden, die Füße hat keiner gefragt.

Ein kalifornischer Schönheitschirurg berichtet, dass eine Patientin mit Blahnik-Heels kam, weil in diesen Schuhen eine Zehe so unschön aussah. Was nicht passt, wird passend gemacht und schon entnahm der Chirurg ein Knöchelchen. Der Doktor hat auch einen neuen Slogan erfunden: „Toes is the new Nose“! Das, was früher die zu korrigierenden Nasen waren, sind heute die Zehen. Das lässt man quasi im Vorbeigehen machen – das tatsächliche Gehen fällt nach einem chirurgischen Eingriff nur etwas schwer…

Fuß-Tuning darf nicht einfach als Modeerscheinung abgetan werden, es geht schließlich um orthopädische Folgeschäden, derer sich die Patientinnen (und oft auch die Chirurg_innen) nicht bewusst zu sein scheinen.

Ich werde weiterhin Schuhe kaufen, die mir gut passen, die hübsch sind und die selbst nach einem langen Tag nicht schmerzen. Und die High Heels haben ab und zu abends Ausgang 🙂

Alice Schwarzer und das Kopftuch

September 24, 2010

In der heutigen Ausgabe des STANDARDs lesen wir über das druckfrische Buch von Alice Schwarzer, in dem sie gegen das Kopftuch anschreibt (Artikel „Die große Verschleierung. Kampf gegen das Kopftuch“, 23. September 2010). Für Schwarzer ist die Verschleierung ein frauenfeindliches Symbol, was sich negativ auf die gesamte Gesellschaft auswirken würde.

Gerade eben schockierte Thilo Sarrazin erst mit seinen (Anti-)Integrationsthesen und nun kommt Alice Schwarzers Buch „Die große Verschleierung“ auf den Markt, das sich ebenfalls mit Islam und Migrant_innen beschäftigt. Die klare Botschaft von Schwarzer und ihren Ko-Autor_innen ist, dass muslimische Frauen und Mädchen das Kopftuch ablegen und dass deutsche Bürger_innen sich für dieses Verbot, beispielsweise in Kindergärten, Schulen und im öffentlichen Dienst, einsetzen und nicht eine „falsch verstandene Toleranz“ walten lassen sollten. Schwarzer sieht im Kopftuch die Verkörperung des Islamismus (was auch immer hinter diesem Wort stecken mag) und der Unterdrückung von Frauen. Schwarzer beschäftigt sich seit den politischen Umwälzungen im Iran im Jahre  1979 mit der Kopftuch-Thematik und ist seitdem der Meinung, dass das Kopftuch „kein religiöses, sondern ein politisches Zeichen ist“.

Ende August hatte ich die Möglichkeit, Omar Al-Rawi zu hören. Er ist SPÖ-Politiker und Integrationsbeauftragter der Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich und ließ uns an seiner Sicht der Dinge teilhaben.  Al-Rawi hält in Bezug auf die Kopftuchdebatte zynisch fest, dass solange muslimische Frauen nur als Putzfrauen tätig waren, das Kopftuch anscheinend niemanden interessiert hat. Seit aber muslimische Frauen sich besser integrieren, sich bilden und gute Jobs haben und öffentliche, sichtbare Ämter bekleiden, erst seitdem gibt es diese Debatte. Was aber bedeutet Integration in Wien? Frei nach Luegers Motto „Wer ein Jude ist, bestimme ich!“ geht es eher um Assimilation und Anpassung an die Mehrheitsbevölkerung. Nach Außen darf wenig zu sehen sein, dass man tatsächlich fremd ist. Al-Rawi ist der Meinung, dass es zu viele selbsternannte Expert_innen zum Thema Islam und Jihad gibt, gewisse Begriffe werden verwendet, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich bedeuten. In diese Kategorie dürfte auch Alice Schwarzers neues Buch fallen, da es nicht ihr Ziel ist, Ängste abzubauen, einen gesitteten Diskurs zu führen und sich wirklich mit dem Thema Integration auseinanderzusetzen. Und unter dem Deckmantel der Frauenrechte ein Kopftuchverbot zu erstreiten, verbessert den allgemeinen Ruf der Feminist_innen auch nicht gerade…

Blaue Augen…

September 18, 2010

Ich stehe in einer Buchhandlung, habe ein bisschen Zeit zum Stöbern und Schmökern. Da fällt mir ein Buch auf. Ich muss zugeben, aufgrund des Covers.

Ich denke mir „Hey, das Buch muss interessant sein! Der Typ sieht echt beeindruckend aus!“. (Okay, vielleicht dachte ich auch „der sieht richtig heiß aus“ 🙂

Ich nehme das Buch, drehe es um und lese, dass Balian als Frau geboren wurde, deutsche Meisterin im Stabhochspringen war und seit 2007, nach geschlechtsanpassenden Maßnahmen, als Mann lebt, als der er sich immer fühlte.

Gefällt mir!

Mehr von mir (und wirklich – mehr von mir, versprochen!) demnächst!

Hätte man anders erwartet, oder?

September 9, 2010

Wenn uns Dinge überraschen, Situationen eine nicht erwartete Wendung nehmen, dann merken wir, wo unsere gedanklichen Grenzen sind.

Viel Spaß bei diesem IKEA-Werbespot 🙂

Danke an meine aufmerksame Freundin Sabrina!

Diskontinuierliche weibliche Lebensläufe

September 3, 2010

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek fordert in einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Reformgespräche in Alpbach die Umsetzung von Maßnahmen, die zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Familien führen soll. Fakt ist, dass in Bezug auf Lebensqualität weiterhin ein Spannungsfeld besteht, in dem es um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit geht. Die kürzlich präsentierte Zeitverwendungsstudie zeigte, dass Frauen immer noch mehr unbezahlte Arbeit (im Haushalt) leisten. Schweden geht (wie so oft) mit gutem Beispiel voran: schwedische Männer leisten die meiste Hausarbeit im OECD-Länder-Vergleich, was zeigt, dass ein egalitäres Geschlechtersystem mit aktiver Vaterschaft und geteilter Hausarbeit korreliert.

Ein Anliegen der Ministerin ist es auch, Überstunden zu verhindern, da fast 75 % der in Österreich gemachten Überstunden von Männern geleistet werden, was wiederum dazu führt, dass Frauen eher einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, obwohl sie gerne mehr arbeiten wollen würden. Grund dafür ist die anfallende Arbeit innerhalb des Haushalts, sowie Kinder- und Altenbetreuung. Hand in Hand mit der Eindämmung von Überstunden müsste eine wöchentliche Höchstarbeitszeitbegrenzung von 45 Stunden gehen. Beide Maßnahmen zusammen könnten knapp 150.000 Arbeitsplätze schaffen, so Heinisch-Hosek und für eine gerechtere Verteilung der Arbeit innerhalb der Familie sorgen. Zusammenfassend kann man sagen, dass solange Frauen weiterhin mit dem Großteil der Kinderbetreuung beschäftigt sind, wird sich auch nichts an der offensichtlichen Diskontinuität in weiblichen Lebens(- und Karriere)läufen ändern. Unterbrechungen in der Karriere für die Familie, Hängenbleiben in Teilzeitjobs, geringeres Einkommen – das soll nicht länger weiblich sein.

Geschlechterkampf an Canale Grande

August 29, 2010

Wenn die PRESSE vom 23. August im Economist-Teil titelt „Wo die Mächtigen um die Wette denken“ und das Europäische Forum Alpbach damit meint, freue ich mich natürlich um so mehr, dabei zu sein. Wenigstens den Mächtigen und Cleveren lauschen, wenn man schon nicht dazu zählt 🙂

Aber das Denken überlasse ich nicht ganz den Mächtigen, die Atmosphäre motiviert und beflügelt ja schließlich alle Teilnehmenden, so auch mich. Ich nutze also meine Mittagspause produktiv, indem ich Zeitung lese und sogleich findet mich ein Artikel aus der Rubrik „Menschen“, der da heißt „Monsterwellen im Canal Grande“. Darin geht es um die erste Frau, die Venezianerin Giogria Boscolo, die die Prüfung zur „Gondolierin“ (was für eine Wortschöpfung) geschafft hat. Sie ist also amtlich befähigt, Gondeln zu führen und das schlägt „Monsterwellen“. Eine zweite Frau wird im Artikel genannt, die seit Jahren versucht, zur Prüfung zugelassen zu werden, doch bei ihr ist das „Problem“ ein Doppeltes, wenn nicht sogar ein Dreifaches: Sie ist „ja auch nicht nur eine Frau, sondern (…) zu exotisch: (…) Alexandra Hai ist Deutsche und somit Ausländerin, zusätzlich als Kommunikationswissenschafterin auch noch eine <Studierte>“. Aus unterschiedlichen Gründen bleibt der Deutschen Hai der Schein verwehrt; dass Boscolo diesen nun in Händen hält, hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack, es ist, als ob er ihr zugestanden worden wäre (nach dem Prinzip des geringeren Übels), damit allen Kritiker_innen signalisiert wird: Wir öffnen den Beruf des Gondoliere für Frauen – ist doch kein Problem! Boscolo ist bequemerweise ganz auf der Linie der Gondelbehörde, sie selbst findet nämlich, dass es Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt „schon lange nicht mehr“ gibt. Dann ist ja alles gut, Wogen geglättet, die „Kanalrevolution“ kann abgeblasen werden.

Servus aus Tirol

August 23, 2010

Zur Zeit befinde ich mich im schönsten Dorf Österreichs, das gleichzeitig das schönste Blumendorf Europas ist: Alpbach! Dieses Dorf in den Tiroler Bergen wird einmal jährlich aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst und von einer großen Zahl Kongress-Teilnehmer_innen bevölkert. Das Europäische Forum Alpbach bietet mehr als zwei Wochen interdisziplinäre Seminare, Diskussionsrunde und Gespräche auf hohem Niveau. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Entwurf und Wirklichkeit / Konstruktion und Wirklichkeit. Menschen unterschiedlichster Profession und Herkunft diskutieren und arbeiten gemeinsam, nach getaner Arbeit darf zum gemütlicheren Teil übergegangen werden. Der vielgerühmte „Spirit of Alpbach“ ist spürbar, breitet sich aus wie ein Virus, dem man gerne und freiwillig nachgibt und erliegt. In diesen Tagen ist Alpbach „the city, that never sleeps“, die Angebote intellektueller und gesellschaftlich ansprechender Natur gibt es immer. Besonders reizvoll ist die Tatsache, dass man im Grunde überall und zu jeder Zeit die Möglichkeit hat, mit brillianten und geistreichen Menschen ins Gespräch zu kommen, ob es nun am Weg ins Kongresszentrum ist oder bei einem Glas Wein bei einer Abendveranstaltung.

Die Seminare und Vorträge sind jedoch die Hauptattraktion des berühmten Forums, zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sprechen hier. Bereits am ersten Tag des Forums hatten wir die Ehre, eine besonders beeindruckende und starke Persönlichkeit zu hören: Im Rahmen der Eröffnung sprach Shirin Ebadi, Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003, über die Problematik der Menschenrechte in ihrem Heimatland Iran. Ebadi erlebte die politischen Umwälzungen und die damit verbundenen Beschränkungen der Freiheit der Menschen, insbesondere der Frau, sehr genau mit und kann besonders durch ihre Arbeit als Rechtsanwältin, oft pro bono zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen, auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Ebadi bringt ein Beispiel der Ungleichbehandlung der Geschlechter, wenn sie davon berichtet, dass der Zeugenaussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel Gewicht beigemessen wird wie der eines Mannes und dass im Fall von Entschädigungen eine Frau nur die Hälfte dessen bekommt, was einem Mann im gleichen Fall zustünde. Ebadi, die im Exil lebt, wünscht sich für die Zukunft des Iran einen Staat ohne Gewalt und Unterdrückung. Ein (ungefährer) Satz Ebadis ist mir in Erinnerung geblieben: Nur dort wo Demokratie herrscht, können auch Menschenrechte und im Speziellen Frauenrechte eingefordert und umgesetzt werden. Aus jedem einzelnen Vortrag kann man so viel mitnehmen und das ist es wohl, was Alpbach zu etwas Speziellem macht. Viele kommen seit Jahren hierher, machen daraus eine Tradition. So wurde auch der österreichische Physiker Erwin Schrödinger auf eigenen Wunsch hier, auf dem kleinen Dorffriedhof, begraben.

Mehr von mir aus Alpbach demnächst!