Ö1-Sendung „Hörbilder“: „Herr Judith“. Stationen einer Geschlechtsumwandlung

Am Montag, den 1. Februar 2010 war auf Ö1 eine „Hörbilder“-Sendung zu hören, die die Geschichte von Judith erzählt, die als Mann geboren wurde und sich in der Lebensmitte dazu entschlossen hat, das zu werden, was sie innerlich immer schon war: eine Frau.
Als kleiner Bub probierte Judith die Kleider der Schwester, wurde von den Eltern erwischt, es gab ein „Donnerwetter“ und von da an machte sie das geheim, still und leise. Das bedeutet, dass der Bub durch die elterlichen Sanktionen die Grenzen der Geschlechtswelt zu spüren bekam.
In der Pubertät litt Judith, da die ersten körperlichen Veränderungen hin zum Mann ihre Phantasie vom Frausein zunichte machte. Judith entschied sich, dem männlichen Rollenbild entsprechen zu wollen, arbeitete und ging eine Beziehung mit einer Frau ein, aus der zwei Kinder entstanden. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, kamen die Zweifel wieder auf, die Unzufriedenheit mit dem männlichen Leben. Die Diskrepanz zwischen dem Innen und dem Außen wurde unerträglich für Judith. Dieses Leiden drückte sie durch Selbstverletzungen aus. Inzwischen ging die Lebensgemeinschaft mit der Mutter ihrer Kinder in die Brüche.
Durch Recherchen im Internet stieß Judith auf Selbstdarstellungen von Transsexuellen und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie erkannte sich so stark in den Lebensgeschichten wieder, dass sie keinen Zweifel mehr hatte, auch transsexuell zu sein.
Durch eine Östrogen-Behandlung war der erste Schritt in die weibliche Richtung gesetzt, die Operationen waren für Judith die schlussendliche Erlösung und Befreiung. Die Geschlechtsanpassung sollte ihren langen Lebensabschnitt als Mann beenden und ihr ein Leben als Frau ermöglichen.
Die Kinder von Judith, die heute junge Erwachsene sind, nennen sie „die Papa“, weil sie doch immer der Papa bleiben wird, aber jetzt eine Frau ist.
Judith arbeitet auch heute noch täglich mit und an ihrer Stimme, damit diese sanfter, sprich weiblicher, klingt. Vom äußeren Erscheinungsbild her wird sie jedoch schon als Frau erkannt und eingestuft. Die Änderungen der Dokumente war eine ebenso wichtige wie schwierige Angelegenheit, doch jetzt führt Judith ein Leben nach ihren Maßstäben. Heute ist Judith bei sich selbst angekommen.
Die Sendung macht durch eine fast schon intime Erzählweise die Gefühle eines transsexuellen Menschen begreifbar und zeichnet ein sehr sympathisches Bild von Judith.
Den Begriff  „Geschlechtsumwandlung“ im Sendungstitel finde icht nicht passend, da transsexuelle Menschen selbst von Geschlechtsanpassungen sprechen, da man ein Geschlecht nicht – abrakadabra – umwandeln kann.
P.S. Danke an meine Schwester und meine Mama fürs Aufnehmen der Sendung 🙂
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